Die Geschichte der Neuenhausener Kristallsandwerke oder: Woher stammt eigentlich der Name „Sandhasen“?
(Quelle: M. Ganschinietz / Rund um den Welchenberg bei Neuenhausen)
Seit alters her wurde am Welchenberg von etwa 10 umliegenden Sandbauern feiner, weißer Sand abgebaut. Mit einer Karre zog der „Sandmann“ durch die Orte an Erft und Gilbach, um mit dem Verkauf des Sandes seinen Unterhalt zu bestreiten. Selbstabholer zahlten lediglich zwei Pfennige. Genutzt wurde der Sand zum Sauberstreuen der Lehmböden in Häusern sowie zum Schmirgeln und auch als Scheuersand.
Um 1900 reiften bei dem Besitzer des Gutes Welchenberg, Franz Hubert Gottschalk, die Pläne, die Sandvorkommen in großem Stile abzubauen. Vermutlich 1907 wurde die Förderung des Sandes unter dem neuen Firmennamen „Welchenberger Kristallsandwerke“ aufgenommen.
Es stellte sich nun die Frage, wie der Sand kostengünstig zum Bahnhof Gustorf transportiert werden sollte. Die Lösung wurde in der Nutzung einer Drahtseilbahn gefunden. Während sich das behördliche Genehmigungsverfahren über Monate hinauszog, errichtete man die Drahtseilbahn in einer Rekordzeit von nur 3 Wochen, um dann im Februar 1910 mit täglich 18 abgefertigten Waggons den Beförderungsbetrieb aufzunehmen.

Auch für die Jugend hatte die Drahtseilbahn ihren Anreiz. Trotz strengen Verbots wurden die Waggons immer wieder geentert, was jedoch nicht selten mit einer gehörigen Tracht Prügel endete.
Das Unternehmen expandierte. Der Besitzer beschloss schließlich, das Unternehmen in eine GmbH umzuwandeln. Im Jahre 1911 schließlich wurde die „Christallsandwerke GmbH“ mit einem Stammkapital von 85.000 Mark gegründet.
Mitte der zwanziger Jahre wurde die aus Düsseldorf stammende Lüngen GmbH, die in Gustorf eine Lackfabrik betrieb, auf das Unternehmen aufmerksam. 1932 wuchsen Sandgrube und Lackfabrik zusammen und wurden nunmehr als ein Unternehmen geführt.
Der Sand des Welchenberges hatte zwischenzeitlich einen guten Ruf. Er war nicht nur im Inland begehrt, sondern auch außerhalb der Landesgrenzen, und so betrug die tägliche Produktion nicht selten rund 500 Tonnen.
In den nächsten Jahren steigerte sich die Zahl der Mitarbeiter stetig. Bis zu 80 Arbeiter fanden Beschäftigung. Im Jahre 1949 war die Belegschaft dann jedoch wieder auf nur noch 10 Mitarbeiter zusammengeschrumpft.
Als ein besonders engagierter Mitarbeiter muss das damals allseits bekannte Neuenhausener Original Christian Dahmen Erwähnung finden. Im Sandwerk war er als „Mann für alles“ beschäftigt. Ständig mit der Pferdekarre zwischen Sandwerk und Lackfabrik unterwegs, fuhr er Sand und Kies zu den Baustellen von Neuenhausen und Umgebung. Sein Sohn brachte ihm täglich das Mittagessen. Befand sich dessen Vater dann mal in der Gustorfer Lackfabrik, so wurde ihm das Essen ganz einfach per Kippwagen „auf dem Luftwege“ angeliefert.

Jener Herr war es dann auch, der den Spielleuten des Tambourcorps in der Zeit von 1935 bis 1939 als Tambourmajor zur Verfügung stand, ohne jemals zuvor Flöte oder Trommel gespielt zu haben. Ob, und inwieweit Christian Dahmen mit der Namensgebung der „Sandhasen“ in Verbindung gebracht werden kann, ist leider nicht überliefert.
Worauf ist aber der Name Sandhasen zurückzuführen?
Nun, Dank des reichen Sandvorkommens und des enormen Eifers der Arbeiter, die wie Hasen im Sand schürften, wurde dieser Begriff seinerzeit ins Leben gerufen. Fakt ist weiterhin, dass auch die Neuenhausener Schützen einen engen Bezug zu ihrem „Sandberch“ aufgebaut hatten, denn hier fand alljährlich zu Christi Himmelfahrt der Vogelschuss statt. So waren es also das Tambourcorps „Sandhasen“ 1925, der Jägerzug „Sankhase“ 1934 und der 1952 gegründete Motorsportverein, die mit ihrer Namensgebung andeuteten, in Neuenhausen beheimatet zu sein.
Im Jahre 1956 wurde der Sandabbau eingestellt. Als Gründe hierfür waren ausschlaggebend, dass die Rheinbraun über bedeutend reinere Sandvorkommen verfügte. Folglich musste dann auch die Drahtseilbahn dem Bau des neuen Kraftwerkes Frimmersdorf weichen. Nach Aufgabe der Sandproduktion verbarg sich hinter der „Christallsandwerke GmbH“ nur noch eine Spezialfirma für Gießerei- und Stahlwerksbedarf. Im Wege der Umwandlung wurde deren Vermögen im Januar 1970 der Firma Lüngen KG, Erkrath, übertragen. Damit endete die Ära des Neuenhausener Sandabbaus endgültig.
Geblieben ist ein Identifikationsbegriff, der als musikalisches Markenzeichen die Verbundenheit zur Heimat und die Pflege der Tradition weiter mit Stolz nach außen trägt:
„Die Sandhasen“.
